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Kino - dafür werden Filme gemacht

Allein mit der Angs

"Residenz" Bückeburg (11.07.2001)

Am Morgen noch schnell per Mail zwei Plätze reserviert um am Abend der Sneak beiwohnen zu können. Leider kam die Mail nicht rechtzeitig an und wir mußten zunächst auf zwei Stühlen direkt unter dem Projektorfenster platznehmen. Keine so schlechte Position muß ich sagen, man kann den Kopf anlehnen und sehr bequem über alle anderen wegsehen. Nur sind die Klappstühle nicht allzu gesäßfreundlich und daher freuten wir uns schon, daß netterweise zwei Reservierungen nicht zustande kamen und die Plätze dadurch an uns gingen. Reihe 11 Mitte, sehr schön!

Zum Inhalt ...

Eine junge Schauspielernachwuchstruppe tingelt durch's Land und ist auf dem Weg zum Schloß des exentrischen Axel de Fersen (Francois Berléand). Dieser möchte seinem Enkel Nicolas (Thibault Truffert) gerne eine Privataufführung von "Rotkäppchen" zu dessen 10. Geburtstag schenken. Nach getaner Arbeit versuchen die Jungdarsteller sich zu entspannen und dinieren mit den Gastgebern.

Daß sich dabei der junge Nicolas vor dem Hauptgang eine Gabel in den Handrücken rammt wird nicht die letzte Merkwürdigkeit in dieser Nacht sein ...

Hmm ...

"Presenté ..." oh nein, ein französischer Film. Ausnahmen wie "Die purpurnen Flüsse" bestätigen eher die Regel und die ist meiner Meinung nach, daß Filme aus unserem westlichen Nachbarland zumeist mindestens "merkwürdig" sind. Und ganz genauso fing auch "Promenons - nous dans les bois" an. Dunkle Farben, eine langsame Kamerafahrt durch ein Schlüsseloch und eine gruselige Märchengeschichte wird mitreißend vorgetragen. Da mag dem nicht sichtbaren Kind im Bett ein Schauer über den Rücken gelaufen sein. Der Abschluß dieser Szene veranlaßte meine Begleitung sich das erste Mal an meinem T-Shirt festzuhalten ...

Eine düstere Stimmung vermag Regisseur Lionel Delplanque in seinem dritten Werk mit gängigen und oft benutzten Versatzstücken des Horrorgenres durchaus aufzubauen. Der Plot selbst bietet jedoch keinerlei Material um Spannung aufzubauen, zu durchsichtig und anderswo schon oft gesehen ist das, was da auf der Leinwand abgespult wird. Wenn ich trotzdem von Zeit zu Zeit die Lehne des Kinosessels etwas fester umklammerte, so lag das an den zwar vorhersehbaren, aber wirkungsvoll und handwerklich korrekt inszenierten Schockeffekten. Für einige im Publikum war das teilweise zu starker Tobac und ab der Mitte des Films fiel auf, daß Leute den Saal verließen, die nicht wieder zurückkamen.

Die Schauspieler mag man hierzulande allesamt nicht kennen, wobei ich das auch nicht wirklich als Nachteil ansehe. Der gemein guckende und daher von Anfang an unter Hauptverdacht stehende Stephane wurde von Denis Lavant so übertrieben gespielt, daß ich mich in eine Vorstellung einer Dorflaienspielgruppe versetzt sah. Auch der in Frankreich vielbeschäftigte Berléand lieferte keine Meisterleistung mit seinem de Fersen ab. Der weibliche Teil der jungen Schauspielertruppe stach durch dunkle Nacktaufnahmen und hemmungsloses Grinsen hervor, wohingegen die männlichen Kollegen nur als blasses Beiwerk agierten. Lediglich Vincent Lecoeur zeigte ein wenig Spielfreude in seiner Rolle als Loveinterest des verrückten Schloßherrn.

Wenn man wirklich auf Horrorfilme steht, mag einem "Allein mit der Angst" gefallen können. Ansonsten wird man eh nicht auf den Gedanken kommen, dafür ins Kino zu gehen. Und das ist gut so! Abgekupferte Effekte, geklaute Story und langweilige Darsteller, die in dem wirren Werk ziellos umherlaufen ... Naja, ich bin nicht eingeschlafen.

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