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24.09.2004

Capitol (Herford)

Elisabethstraße
32052 Herford
05221-15133


Achtung: dieser Erfahrungsbericht beschreibt noch den „Zustand“ unter dem alten Betreiber.
In 2010 haben neue Betreiber das Kino wohl grundlegend umgekrempelt und ich habe mir das noch nicht angesehen!

Lang ist’s her, dass ich im Capitol weilte. Anno 1998 zur Preview von „Blade“ war der letzte Besuch im mittlerweile letzten Herforder Kinokomplex.

Das Kino umfasst 4 SĂ€le – den großen Hauptsaal und darĂŒber 2 kleine Schuhschachteln (welche ich seinerzeit mit Pferdeboxen verglich – grĂ¶ĂŸenmĂ€ĂŸig wohlgemerkt), die ĂŒber eine schmale Treppe erreicht werden. Saal Nr. 4 ist das „Cherie“ in welchem eher … Ă€h … spezielle Filme dargeboten werden.

Seit dem letzten Besuch vor 6 Jahren hat sich im Capitol offensichtlich nichts verĂ€ndert. Das Foyer ist aufgerĂ€umt und sauber, hallt aber wie eine Fabrikhalle. Dazu tragen sicher die dĂŒnngelaufenen Teppichfliesen und die spĂ€rliche Ausstattung mit Postern, DeckenhĂ€ngern und Ă€hnlichem bei. Die Toilletten sind alt – aber wirklich blitzblank sauber. Da gehe ich lieber auf 70er Jahre Aborte, die gereinigt werden, als z.B. in das örtliche Multiplex, wo zwar alles niegelnagelneu ist, dafĂŒr aber augenscheinlich nicht so oft vom Personal besucht wird.

Nach ein paar Minuten warten öffneten sich die Pforten und ich betrat den schummrigen Kinosaal. Sofort fÀllt links die lange Theke auf, die auch wÀhrend des Films noch halbwegs beleuchtet ist. KneipenatmosphÀre ;-) Ich suchte mir einen Sitz im Mittelfeld, weil ich keine Lust hatte, stÀndig die Decke im Blick zu haben. Im hinteren Teil sitzt man unter den beiden oberen Kinos und die Decke ist nicht sehr hoch.

Naja, sitzen … man versucht in den mit Polstern aus dem letzten Jahrhundert versehenen Vierkantstahlrohrrahmen eine Haltung einzunehmen, die einem nicht innerhalb von Sekunden sĂ€mtliche Gliedmaßen einschlafen lĂ€ĂŸt. Ich bin mit 187cm wirklich nicht besonders groß, aber ich habe selten so schlecht gesessen! StĂ€ndig dachte ich an KirchenbĂ€nke – dort argwöhne ich auch immer, daß die so unbequem sind, damit die Besucher nicht wegpennen.

Zu allem Überfluss war es rattenkalt! Das Publikum im maximal zu einem Viertel gefĂŒllten Saal kuschelte sich jedenfalls eng aneinander und in die mitgebrachten Jacken. Blöd, dass ich allein da war und nur ein Sakko zum Hemd trug … hey, kann ich wissen, dass der Film in einem KĂŒhlraum gezeigt wird? Wenigstens werden dann die GetrĂ€nke, die man sich auch wĂ€hrend der Vorstellung auf Knopfdruck an den Platz bringen lassen kann, nicht warm. Ich war zweimal leicht irritiert, als hinter mir plötzlich Geld klimperte und die Bedienung irgendwas abkassierte, wĂ€hrend auf der Leinwand Tom Cruise ein paar Chinesen zur Strecke brachte. Das stört doch!

Daß man im Capitol auch noch rauchen darf, fiel mir an dem Abend nur vereinzelt durch das Ratschen der Feuerzeuge beim AnzĂŒnden auf. Es schienen etliche Nichtraucher anwesend zu sein und der Rauch der restlichen Luftverpester verteilte sich zĂŒgig – nichts destotrotz hatte er in den Jahren vorher genug Gelegenheit die Decke in ein schickes hellbeige zu verwandeln und auch die Leinwand schien mir ein paar Nuancen von reinweiß entfernt zu sein.

Der Ton war jedoch einwandfrei – etwas was im Kinopolis so gut wie nie geschafft wird. Hier sorgte jedoch eine vernĂŒnftige LautstĂ€rke in Verbindung mit klarem Ton fĂŒr eine klasse akustische Untermalung des durchweg scharfen Bildes. Leider spiegelte die Fensterscheibe des Projektionsraumes in dunklen Szenen sehr deutlich auf der Leinwand. Das stört das Auge massiv und man versucht stĂ€ndig unwillkĂŒrlich zu sehen, was da schimmert. Das die Leinwand keinen Cache und keinen Vorhang hat, verringert den möglichen Kontrast noch einmal und das Restlicht von der Theke im RĂŒcken der Zuschauer trĂŒbt den Eindruck weiter.

Ich bin wirklich ein Freund kleiner Kinos und finde es sehr schade, daß die Multiplexe die kleinen Betreiber weiter und weiter aus dem Markt drĂ€ngen. Meistens hĂ€ngen die kleinen Kinomacher auch viel mehr am Medium „Kino“ als der GeschĂ€ftsfĂŒhrer und die Aushilfsstudenten an der Popcorntheke eines Multiplex, aber auch als kleiner Betreiber sollte man sich ein wenig darum kĂŒmmern, es dem Besucher angenehm im Saal zu machen! Dazu gehört, daß man im Herbst auch mal die Heizung einschaltet oder vielleicht nach Jahrzehnten mal das GestĂŒhl modernisiert.

Ich war nach dem Besuch jedenfalls ein wenig traurig, da ich mich wohl nicht noch einmal in dieses Kino verirren werde. Und das, obwohl es das letzte Kino meiner Jugend ist. Alle anderen SÀÀle, die ich damals teilweise noch mit dem Roller besucht habe sind inzwischen geschlossen. Vorbei ist es mit „Vier FĂ€uste gegen Rio“ in den „Kurlichtspiele“, kein „First Contact“ in den „Wittekindlichtspiele“ und die „Cannes Rolle“ im „Stella“ wird’s wohl auch nicht mehr geben. „Die Leiter“ in Bad Oeynhausen beugte sich ebenfalls vor Jahren dem Kinopolis. Aber ehrlich gesagt sitze ich ganz gerne in neuen StĂŒhlen im angenehm temperierten Saal und gucke auf eine klar sichtbare Leinwand.

Andreas am 24.09.2004 um 23:06 in Lichtspielhaus | 0 Kommentare |

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