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Kino - dafür werden Filme gemacht

Gegen jede Regel

"Residenz" Bückeburg (14.03.2001)

Auf besonderen Wunsch "schwebte ich überschwenglich glücklich, total entspannt und ausgeschlafen" ;-) am üblichen Sneak-Mittwoch zusammen mit Lars in das Foyer des Bückeburger Kinotempels um wie immer dem Überraschungsritual zu frönen. Und die Überraschung gelang diesmal besonders gut, da zum zweiten Mal in Folge das Disney-Logo den Film einläutete und für Seufzer im Publikum sorgte ...

Zum Inhalt ...

Bill Yoast (Will Patton) ist der überaus erfolgreiche Coach der Football Mannschaft der Alexandria High-School. Aufgrund seiner langjährigen Erfolge steht Yoast kurz vor dem Einzug in die Hall of Fame der Football Trainer. Just zu dieser Zeit wird die herrschende Rassentrennung in Alexandria "per Anweisung" aufgehoben und die High-School auch für die schwarze Bevölkerung geöffnet. Natürlich kommen dadurch auch Farbige ins Footballteam.

Als wenn das nicht genug wäre, bekommt Yoast auch noch den radikalen Herman Boone (Denzel Washington) vor die Nase gesetzt und muß sich fortan mit dem Assistenztrainer-Platz begnügen. Nicht nur Yoast faßt das als Schlag ins Gesicht auf. Die Stimmung im Team ist nicht gerade gut und Boones harte Trainingsmethoden scheinen zunächst weder die Moral zu stärken noch das Miteinander zwischen den Schwarzen und Weißen im Team zu fördern.

Hmm ...

Es war dann ja doch kein Zeichtrickfilm, auch wenn das Startlogo bei einigen Zuschauern im Saal ein Zucken verursachte. Boaz Yakin, der unter anderem am Buch zu "From Dusk Till Dawn 2" mitarbeitete, hat hier für die Gute-Laune-Filmfabrik einen Gute-Laune-Film inszeniert.

Ja, da ist der durchaus ernste Hintergrund der Rassentrennung und der Hasstiraden gegen die jeweils andere Hautfarbe, doch - glücklicherweise möchte ich sagen - konzentriert sich der Film nicht allzusehr auf dieses Thema und nimmt es mehr als Hintergrund für das oft bemühte Thema der Zusammenführung zweier gegensätzlicher Charactere bzw. Gruppen. So wird aus "Gegen jede Regel" eher ein herkömmlicher Sportfilm denn ein Problemfilm. Und auf dieser Ebene gefiel mir das Footballfilmchen besser als der fürchterlich bedeutungsschwangere und düstere "Any Given Sunday" - der zugegebenermaßen auch eine andere Thematik beleuchtete.

Der Film macht nicht mehr, als "Die Indianer von Cleveland", er zeichnet den Weg einer Mannschaft - in diesem Fall Football - auf Ihrem Weg nach oben. Wie sich die Spieler zusammenraufen, wie sie sich wieder zerstreiten, das Umfeld etc. ... nichts wirklich Neues. Doch versteht es Yoast, die Story nicht langweilig werden zu lassen, trotzdem bei so einem Film naturgemäß nicht eine Wendung unvorhersehbar ist - hey, es ist Disney. Den Schauspielern nimmt man ihren Part durchweg ab, besonders bei den jungen Footballern sind einige gute Leistungen zu bewundern. Und der - ich kann es nicht mehr hören ;-) - Oscarpreisträger Denzel Washington spielt auch recht ordentlich, wenn auch nicht oscarverdächtig.

Lediglich einmal ging mir alles zu schnell. Der Meinungsumschwung im Camp war nicht sofort nachvollziehbar für mich. Das wirkte "vorgezogen", als wenn der Film zu lang zu werden drohte. Diese kleine Schwäche verzeiht man aber gern, wenn die Spielsequenzen es schaffen, trotz aller Vorhersehbarkeit für leichtes Herzklopfen und Mitfiebern zu sorgen. Mehr kann "Gegen jede Regel" allerdings auch nicht. Um ernsthaft über die Rassenproblematik nachzudenken ist der Film zu seicht und viel zu wenig engagiert ... vielleicht sogar zu holzhammermäßig bei der Überbringung der "Message".

Es bleibt ein sehr unterhaltsamer Sportfilm mit durch die Bank guten schauspielerischen Leistungen, der mit der Tatsache wirbt, tatsächlich so passiert zu sein.

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