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Kino - dafür werden Filme gemacht

Ocean's Eleven

"Residenz" Bückeburg (09.01.2002)

Kritik von Johannes Pietsch

Spiel's noch einmal, Steven! Nach seinen beiden ebenso gedankenschweren wie Oscar-überhäuften Werken "Erin Brockovich" und "Traffic" wandte sich Steven Soderbergh mit der Neuverfilmung einer 41 Jahre alten Gaunerkomödie wieder der leichten, aber keinesfalls weniger kunstfertigen Muse zu. Mit welcher Leichtfüßigkeit, Eleganz und gediegenen Coolness Soderbergh in "Ocean's Eleven" dem gleichnamigen Rat-Pack-Klassiker aus dem Jahr 1960 zu neuen Ehren verhilft, trägt zwar nicht den gleichen artifiziellen Ansprüchen Rechnung wie "Traffic" und "Erin", bietet aber mindestens ebenso kurzweiliges wie ansprechendes cineastischen Vergnügen.

Elf Freunde sollt Ihr sein! Mit diesen plant der smarte Danny Ocean (George Clooney), nur einen Tage nach Beendigung eines mehrjährigen Aufenthaltes hinter schwedischen Gardinen, gleich drei der größten Casinos von Las Vegas um ihre Tageseinnahmen zu erleichtern. Dabei sind es nicht nur pekuniäre Gründe, die den edlen Ex-Knacki in die Glitzerwelt des Spieler-Mekkas locken. Denn der mondäne Casino-Mogul Terry Benedict (Andy Garcia), dessen Barschaft Ocean im Auge hat, vertreibt sich derzeit die Freizeit zwischen dem Zasterzählen mit Dannys Ex-Frau Tess (Julia Roberts).

Lang ist's her, da machten Frank Sinatra und seine ebenso trink- wie sangesfesten Freunde Las Vegas unsicher. Dort, wo in der Wüste das Neonlicht so hell strahlt wie die Jetons beim Roulette, verschlankte das Rat-Pack 1960 in "Ocean's Eleven" schon einmal den Inhalt eines großen Casino-Tresors. In Deutschland hieß der Film "Frankie und seine Spießgesellen", bei dessen Dreharbeiten die Hauptdarsteller Frank Sinatra, Dean Martin, Sammy Davis Jr., Peter Lawford und Joey Bishop angeblich hinter dem Tresen mehr Spaß hatten als vor der Kamera.

Nun schickt Steven Soderbergh wieder ein Aufgebot aus Hollywoods erster Garde auf Monetenklau in die Wüste. Und lässt dabei allein seine wirklich ungewöhnlich hochklassige Starriege in ihren individuell wunderbar korrespondierenden Rollen den Film fast alleine tragen. George Clooney gibt den charismatischen Nobel-Gangster alter Schule. So gediegen wie seinerzeit Cary Grant ist er der Archetyp des Gentleman-Outlaw: Ein moderner Henry Gondorff, agil und geschmeidig, geschmackvoll, elegant und gut gelaunt. Keine Spur mehr vom desillusionierten Unglücksraben aus "Out of sight": Dieser Mann swingt. Seine ganze Erscheinung ist bereits Style pur, als der Nobel-Knacki mit leichtem Grauschimmel nach vier Jahren hinter Gefängnismauern erstmals wieder gitterfreie Frischluft schnuppert.

Brad Pitt gibt den durchtriebenen und verwöhnten Kartenzinker, der stets mit distinguierter Leidensmine durchs Bad-Boy-Leben schlendert, gelangweilt in Hollywood abhängt und die Zeit damit totschlägt, "Teenies beim Pokern auszunehmen". Klar unterfordert bleibt "Erin"-Hauptdarstellerin Julia Roberts, die als ersehntes Gangster-Liebchen allenfalls bei einem Boxkampf der beiden Schwergewichtsheroen Lennox Lewis und Vladimir Klitschko ein paar mal erschreckt gucken darf. Mehr Performance gibt ihre schmal angelegte Rolle kaum her. In den Rollen der übrigen Eleven firmieren unter anderem Jungstar Matt Damon, Don Cheadle und Veteran Carl Reiner.

Der ungewöhnlichste Part kommt interessanterweise Andy Garcia zu: Ausgerechnet der 45jährige Charakterfach-Profi, der seinen filmischen Durchbruch 1987 in Brian de Palmas "The Untouchables" als ebenso moralisch integrer wie treffsicherer FBI-Agent George Stone im Kampf gegen den Übergangster Al Capone alias Robert de Niro erlebte, gibt hier den eisigen Casino-Tycoon Benedict, dessen Überheblichkeit und scheinbar totale Selbstbeherrschung durch die Raffinesse des jungen Gauner-Ensembles erschüttert wird. Ein kleines, aber wunderschönes Cameo liefert der immer noch brilliante Elliott Gould als tuntiger Geldgeber des diebischen Allstar-Teams. Angie Dickinson, die weibliche Hauptdarstellerin des Originals, ist kurz während des Boxkampfes zu sehen, ebenso Henry Silva sowie die Vegas-Größen Siegfried und Roy.

Gepflegt heißt die Parole, gediegen gewinnt die Wahl: "Ocean's Eleven" ist der diametrale Gegenentwurf zu "The Score", Robert de Niros schwerfälligem Versuch eines Caper-Movies von vergangenem Sommer. Soderberghs Rififi-Variante, die sich in Stil und Ambiente weniger an der Rat-Pack-Vorlage denn an George Roy Hills "The Sting" orientiert, singt und schwingt mit der fröhlichen Unbekümmertheit eines Meisterregisseurs, der es sich einfach leisten kann, nach zwei oscarprämierten Kopffilmen dem Mainstream zu frönen und gleich Robbie Williams unbeschwert auf der Welle der Sinatra-Renaissance zu surfen. Dabei ist alles an "Ocean's Eleven" gespiegelt: Denn was ist der charismatische Gangster-Chef Danny Ocean anderes als das filmische Alter Ego des Regisseurs, der gleich dem Meisterdieb für seinen Streifen eine Gang hochprofessioneller Spezialisten castet. Und wenn Brad Pitt als Falschspieler Hollywood-Teenies abzockt oder die Frau eines kürzlich verstorbenen Gangster-Kollegen "tröstet", fällt die Pointe erst recht auf den realen Darsteller zurück.

Die meisten Dialogfunken lassen Clooney und Pitt fliegen, wenn sie sich als gemischtes Diebes-Doppel mit knochentrockenen Onelinern beharken: "Du willst Terry Benedict beklauen?" "Meinst Du, er hat etwas dagegen?" Am Gefängnisausgang nimmt Danny Ocean seine Abendgarderobe in Empfang, als gelte es, nach durchfeierter Nacht die Contenance zu bewahren: "Cliff Richard hat angerufen. Du sollst das Jackett zurückgeben." David Holmes jazzig-geschmackvoller Soundtrack untermalt das schelmische Gaunertreiben ideal. That's swing! Soderbergh did it his way.

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Diese Kritik ist die Meinung von Johannes Pietsch.

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