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Kino - dafür werden Filme gemacht

Eine Nacht bei McCool's

"Residenz" Bückeburg (04.04.2001)

Kritik von Johannes Pietsch

Der Geschlechterkampf gehörte schon immer zu den beliebtesten Komödienmotiven. In letzter Zeit scheint sich das angeblich starke Geschlecht jedoch mehr und mehr auf dem Rückzug zu befinden: Machten die Männer schon in "Ein Date zu dritt" und "Was Frauen wollen" keine ausnehmend souveräne Figur, so gehen sie in "Eine Nacht bei McCool's" endgültig unter.

Und ewig lockt das Weib - diese zu den meistbemühten Motiven der Weltliteratur zählende biologische Tatsache wird hier nicht nur Matt Dillon zum Verhängnis. Den sah man in den letzten Jahren nicht allzu oft auf der Leinwand, interessanterweise aber in den beiden letzten Filmen "Wild Things" und "Verrückt nach Mary" erst als Mittäter, dann als Opfer durchtriebener weiblicher Schönheiten. In "Eine Nacht bei McCool's" bekommt er es als abgehalfteter Barkeeper mit einer betörenden Liv Tyler zu tun, die die Hälfte dieser obskuren Mischung aus Film Noir und rabenschwarzer Slapstickkomödie als One-Woman-Show absolviert.

Ihr Name könnte kaum passender sein: Wie eine Aphrodite aus der Muschel tritt Jewel in das Leben von Barmann Randy, der der atemberaubenden Fremden sofort restlos verfällt. Doch die Schöne entpuppt sich als Chamäleon in Frauengestalt und taucht - je nach Bedarf - in jedes beliebige Rollenspiel: Als verruchte Schlampe verführt sie Randy erst zu schweißtreibendem Einsatz in den Federn und anschließend zu Einbruchdiebstahl mit versehentlichem Mord, betört als verfolgte Unschuld vom Lande den frommen Polizisten Dehling (herrlich naiv: John Goodman) und lässt als Domina den spießigen Yuppie-Anwalt Carl (Paul Reiser), dem sein sauber gestyltes Vorstadt-Reihenhaus genauso zum Halse heraushängt wie die sterbenslangweilige Gemahlin, seine sadomasochistischen Träume ausleben.

Liv Tyler ist der Protoyp der Femme Fatale, eine betörende Pop-Version von George Bizets Carmen und Frank Wedekinds Lulu, die mit dem Rehaugenblick einer Audrey Hepburn die Männer reihenweise zu willenlosen, Testosteron-gesteuerten Spielzeugen degradiert und auf ihrem Weg zu Eigenheim mit Springbrunnen und DVD-Player wahllos über Leichen geht. Schon beim ersten Auftritt im McCools entsorgt dieser weibliche Blaubart mal eben den lästig gewordenen Liebhaber Utah (mit unabsehbaren Folgen für das Ende des Films) und zieht Randy damit unentrinnbar in ihr Intrigengespinst. Während Bizets José zum tragischen Finale noch selbst das Messer gegen Carmen schwingt, ist Matt Dillon - wieder einmal als Ritter von trauriger Gestalt - nicht einmal dazu Manns genug und engagiert vielmehr für seine letzten Habseligkeiten einen drittklassigen Profi-Killer. Auch ist sein Interesse an dem Mord viel armseliger (weil materialistischer) als das der Vorbildfigur: Während José die vergötterte Carmen tötet, weil er die verschmähte Liebe nicht ertragen kann, so will Barmann Randy einfach nur sein kleines, baufälliges Haus wiederhaben. Der Killer ist jedoch der eigentliche Clou des Films: Michael Douglas liefert als schmieriger Hitman mit Elvis-Tolle eine wirklich hinreißend schräge Nebenrollen-Performance.

Clever legt der Niederländer Harald Swart den Beginn des Films kurz vor das Ende und lässt den Zuschauer die vorangegangenen Ereignisse jeweils aus der Sicht der drei belämmerten Herren erleben: Barmann Randy schüttet dem Berufskiller vor dem Erteilen des Auftrags sein Herz aus, Polizist Dehling beichtet seine erotischen Erlebnisse mit der anderen Art einem ebenso bigotten wie davon erregten Priester (Andrew Dice Clay), und Carl flegelt sich als typisch-amerikanischer Erfolgs-Dressman auf der Couch einer Psychiaterin (Reba McIntire). Leider hält der Film sein einmal eingeschlagenes Tempo nicht durch: Nach rasantem Auftakt bekommt die in drei Handlungsfäden zerteilte Geschichte um die männermordende Sirene ein paar mächtige erzählerische Durchhänger. Die versucht Harald Zwart dann mit einem viel zu überdrehten, Comic-haften Kugelhagel im Stil von "True Romance" wieder aufzufangen, mit dem nur einmal mehr bewiesen wird, dass kaum noch ein Film beim Showdown ohne Quentin Tarantino auskommt.

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Diese Kritik ist die Meinung von Johannes Pietsch.

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