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Nanga Parbat

gesehen: 15.01.2010 (Kinoplex - Bad Oeynhausen)

Ich mag Bergsteigerfilme. Echt jetzt, sogar die alten Schinken mit Luis Trenker. Das hängt vielleicht mit meiner Höhenangst zusammen - ich finde es eben deutlich gruseliger, wenn die Kamera von oben über einen in der Felswand hängenden Kletterer schwenkt, als einen Michael Myers beim Verfolgen debiler Teenies zuzusehen. Die Danquart-Doku "Am Limit" hat mir damals den Schweiß auf die Stirn getrieben und "Cliffhanger" gucke ich wegen der Kletterszenen immer wieder gerne. Selbstverständlich musste ich also sehen, wie der Yeti Reinhold Messner seinen Bruder am Nanga Parbat verliert.

Zum Inhalt ...

Seit frühester Kindheit klettern die Brüder Reinhold (Florian Stetter) und Günther (Andreas Tobias) Messner zusammen auf allem herum, was nur irgendwie besteigbar aussieht. Sei es die meterhohe Mauer zum Friedhof oder der Anstieg vor dem elterlichen Haus. Selbst beim Gottesdienst wird darüber diskutiert, wo man am besten einsteigt um mit möglichst wenigen Zügen an die obersten Fenster der Kirche zu gelangen. Reinhold ist dabei der Ältere und Treibendere. Mit zunehmendem Alter verliert sich das Interesse an der Kletterei nicht - im Gegenteil, es wird bei beiden immer mehr zum bestimmenden Lebensinhalt - auch wenn Günther seine Brötchen mit stupider Büroarbeit verdient.

Bis sich Reinhold 1970 die Chance bietet, an einer Expedition des vom Nanga Parbat besessenen Dr. Karl Herrligkoffer (Karl Markovics) teilzunehmen. Reinhold ist begeistert, Günther neidisch und kribbelig. Durch einen glücklichen Zufall gelingt es Reinhold nach einiger Zeit, dass sein Bruder Günther mit zum Expeditionsteam gehört. Am Fuße des Nanga Parbat werden zunächst die Lager eingerichtet und dann der Aufstieg zum Gipfel in Etappen vorbereitet, doch das Wetter macht dem Team jedesmal einen Strich durch die Rechnung. Tage zermürbenden Wartens beginnen. Als das Geld auszugehen droht, wird trotz mäßigem Wetters ein erneuter Vorstoß gewagt. Schließlich beginnt Reinhold den allerletzten Aanstieg allein ...

Hmm ...

Der Vilsmaier Joseph dreht bevorzugt Filme über Themen der Heimat. "Comedian Harmonists", "Marlene", "Herbstmilch" ... da passt die Erstbesteigung der Rupalwand des deutschen "Schicksalsberges" natürlich gut in die Reihe. 1970 bestieg Reinhold Messner zusammen mit seinem Bruder und etlichen anderen diesen vermeintlich schwersten Berg der Welt. Dabei kam unter bis heute ungeklärten Umständen der jüngere Messner-Bruder ums Leben.

Reinhold Messner selbst brachte Vilsmaier wohl auf den Gedanken, den Stoff auf die Leinwand zu bringen und daher ist es nicht verwunderlich, dass die Geschichte auch im Wesentlichen aus Messners Sicht erzählt wird.

Quasi als Gegenpol inszeniert Vilsmaier den Expeditionsleiter Herligkoffer, den er - gewollt oder nicht - als erzkonservativen Deutschen mit martialischer Ausdrucksweise und militärischer Disziplin darstellen lässt. Das wirkt im Gegensatz zu den Messner-Brüdern ziemlich lächerlich und wenig stimmig. Stetter und Tobias spielen Reinhold un Günther angenehm bis zurückhaltend. Die restliche Crew ist mehr oder weniger Staffage - beim besten Willen kann man da weder negativ noch positiv drüber schreiben.

Der eigentliche Star des Films ist so oder so der Berg. Der wird denn auch im Vorspann in einem beeindruckenden Schwenk sehr schön eingeführt. Leider war's das dann auch. Die folgenden Szenen in der Wand und im Schnee wirken wie aus der Lindenstraßen-Kulisse und reißen wenig mit. Auch die Aufstiege in Eis und Schnee wirken wie ein etwas windiger Sonntagsnachmittagspaziergang im Wiehengebirge, so dass Spannung oder gar Kribbeln so gar nicht aufkommen will. Dazu kommt noch die eingangs erwähnte "Zurückhaltung" bei den Messners, die mit fortschreitender Laufzeit doch eher wie Unvermögen wirkte. Da kam überhaupt nichts an Gefühlen rüber. Warum Günther nun seinem Bruder nachgestiegen ist, geht aus der Geschichte nicht hervor. Was mit Günther passiert ist, auch nicht.

Tscha, und dann war's auch schon wieder vorbei. Ich hatte mich ein bisschen gefreut auf dramatische Aufstiege, wilde Kameraeinstellungen und weite Panoramen. Bekommen habe ich ein Kammerspiel mit sehr eingeschränktem Blickfeld. Es war nicht gänzlich unspannend und da der Film keine Überlänge aufweist, ging die Zeit auch fix vorbei, aber 7,90 Euro Eintritt war's nicht wert. Da tut's die DVD ganz gewiss genauso gut. Vorgestern kam eine 45minütige Doku in der ARD ... und die fand ich deutlich besser!

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