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Kino - dafür werden Filme gemacht

- The Blair Witch Project. -
30.11.1999 / Kinopolis 1 (Bad Oeynhausen)

- Filmposter -
Tja, die Originalfassung war mir bereits vertraut, als ich gefragt wurde, ob ich als "Notnagel" mit in den mit Vorschusslorbeeren reichlich bedachten Horror-Schocker gehen sollte. Neugierig gemacht durch Hiobsbotschaften über die angeblich grausliche Verstümmelung des Films durch die Synchronisation, sagte ich selbstredend zu.

Die Reservierung der Karten bereitete mir indes nicht das geringste Vergnügen. Die Dame an der Reservierungs-Hotline des Kinopolis kannte die von ihr zu besetzenden Säle nicht und wurde recht patzig, als ich ihr den Aufbau des Saals Nr. 1 zu erklären versuchte. Ich wollte in der Mitte sitzen und sie versuchte mir Plätze am Rand anzudrehen. Naja, wurde wahrscheinlich aufgrund anderer Qualitäten eingestellt ;-( Vom Umgang mit Kunden und von der Aufteilung "ihres" Kinos hatte sie jedenfalls keine Ahnung ...

Zum Inhalt ...

Heather (Heather Donahue), Mike (Michael Williams) und Josh (Joshua Leonhard) planen am Wochenende eine Dokumentation über eine jahrhunderte alte Legende zu drehen. Im kleinen Örtchen Burkittsville - früher "Blair" - soll seit jeher eine Hexe ihr Unwesen treiben. Anfang des Jahrhunderts sind angeblich mehrer Kinder spurlos verschwunden um später grausam verstümmelt im Haus des alten Eremiten Justin Parr mitten in den Wäldern von Blair, gefunden zu werden.

Um das "Blair Witch Project" drehen zu können, rüsten sich die drei Teenager mit dem nötigen Hanwerkszeug wie 16mm Kamera, Hi8 Kamera und DAT-Tape für die Tonaufnahmen aus, decken sich mit Batterien und Nahrungsmitteln satt ein und fahren in die Walachei um mit den ersten Interviews zu beginnen.

Alles läßt sich gut an. Die Einwohner von Burkittsville sind redselig und geben bereitwillig Auskunft über die angeblichen Greueltaten in dem nahen Wald. Jedoch sind sich nicht alle Einwohner einig. Letzte Klarheit soll eine Wanderung zu einem tief im Wald gelegenen geheimen Friedhof sein. Auf dem Weg dorthin treffen die drei noch zwei Angler, die offenbar gehörigen Respekt vor dem Ort haben. Die beiden Angler sind die letzten Menschen, die Heather, Mike und Josh lebend sehen werden ...

Hmm ...

Beim ersten Sehen - idealerweise allein in einem bequemen Sessel ;-) - habe ich mir nach ca. 45 Minuten auf dem Flur das Licht eingeschaltet, damit ich wenigstens einen kleinen Überblick über das Wohnzimmer hatte. Selbst wenn man weiß, daß die komplette Geschichte erstunken und erlogen ist und man tatsächlich einen Spielfilm und keine Dokumentation verfolgt, wirkt das Ganze absolut authentisch. Gänsehaut bei mir auch nach dem 2. Ansehen!

Die unscharfen, verwackelten Aufnahmen, die offensichtlichen Fehler beim ersten Ausprobieren der Kameras, selbst das Rumalbern der 3 Teenies am Anfang wirken wie direkt aus dem Leben gegriffen. Wenn die 3 nachher im Wald in Panik geraten, sich anschreien und hysterisch werden, ist das in jedem Augenblick nachvollziehbar. Da fragt man sich nicht, warum jetzt dem Flußlauf nicht gefolgt wird, warum man kein Funkgerät oder Handy dabei hat. Der Film fängt den Zuschauer, hält ihn fest und schüttelt ihn gehörig durch - wenn man ein klein bißchen bereit ist, sich auf diese Achterbahnfahrt einzulassen.

Einmal trägt dazu - wie gesagt - daß ziemlich unprofessionell wirkende Filmmaterial bei, dann die wirklich hervorragend agierenden Schauspieler und nicht zu letzt der Ton, der bedrohlich und "echt" wirkt. Knackende Äste, Steinklopfen und nächtlich Schreie passen zum Bild und fügen sich zu einem homogenen Ganzen.

Und da kommt der Teil mit der Synchro ins Spiel. Ich habe den Film vorher 3 mal im Original gesehen und hatte also mehr als genug Muße Original und "Fälschung" - so muß man es fast schon sagen - zu vergleichen. Beim ersten Ton der aus Heathers Mund kommt, dreht sich einem der Magen um. Wer jemals gehört hat, wie amerikanische Angler in einem "Flying Lure" Werbespot synchronisiert sind, kann sich ungefähr ein Bild vom Desaster der "Blair Witch Project" Synchro machen.

Aalglatte Stimmen, die immer direkt vor dem Micro positioniert sind, es sei denn der Sprecher ist außer Sichtweite; dann kommt die Sprache aber auch mit dem Holzhammer von rechts oder links. Kein Rauschen unter den Stimmen, die Umgebungsgeräusche sind gnadenlos in den Hintergrund gerückt, sobald gesprochen wird. Halten die Charactere ausnahmsweise mal den Mund ;-), kommen Klopf-, Ächz- und Raschellaute in feinstem Digitalsound von rechts links und hinter dem Zuschauer.

*Das* klang sehr gut, nur die Mischung ist halt total verkorkst. Zu allem Überfluß wurde Heather ein quäkende Synchronstimme verpasst, deren Sprecherin offensichtlich recht wenig Spaß am Arbeiten gehabt hatte. Manchmal wirkte es, als ob der Text völlig emotionslos abgelesen würde, keine Spur der verzweifelten Heather aus der Originalfassung.

So ist es nicht weiter verwunderlich, wenn das zumeist halbwüchsige Publikum in der von mir besuchten Vorstellung mit dem Film wohl nichts anfangen konnte und anfing unruhig zu werden. Die etwas älteren Herrschaften neben mir begannen gar lauthals Diskussionen über die Dummheit der 3 Dokumentarfilmer. Selbst recht rüde Ermahnung ließen sie nicht verstummen.

Ich kann wirklich jedem nur zum Griff ins DVD-Regal raten und sich die deutsche Version erst danach zu Gemüte zu führen - oder besser gar nicht, damit der überwältigende Eindruck der "richtigen" Version nicht leidet.

Weitere Kritiken im FilmKritikernetzwerK:

"Blair Witch 2" bei www.more-magazin.de
"Blair Witch Project" bei www.more-magazin.de
"Blair Witch Project 2" bei Moviesite.de
"The Blair Witch Project" bei Moviesite.de
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