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Kino - dafür werden Filme gemacht

23 - Nichts ist wie es scheint

(15.12.98 / "CinemaxX 5" / Bielefeld)

Tja, nun ist es soweit, das CinemaxX hat die Pforten geöffnet! Da ich mich über meinen ersten Besuch dort etwas länger ausgelassen habe, sei an dieser Stelle mal nur auf "www.filmfacts.de" und dort die Rubrik "die Kinos" verwiesen.

Zum Inhalt ...

Karl Koch (August Diehl) ist genervt von den Ansichten seines Vaters, der Chefredakteur einer Zeitung in Hannover ist. Er engagiert sich ein wenig in der Anti-Atomkraft und Alternativen-Szene und will eigentlich nur eines: Weg von zu Hause. Seit er als Vierzehnjähriger das Buch "Die Illuminaten" gelesen hat, ist er von der Idee einer globalen Verschwörung um die Zahl 23 fasziniert. 1985, nach dem Tod seines Vaters, steht der gerade Neunzehnjährige allein da - hat allerdings aufgrund der großen Erbschaft endlich die Möglichkeit, die Theorien des Buches zu erforschen. Er mietet sich eine Wohnung und kauft sich einen der ersten Homecomputer.

Schnell lernt er die Möglichkeiten dieses Gerätes kennen und entdeckt nach sehr kurzer Zeit die weltumspannenden Netze. Es war nur eine Frage der Zeit, bis Karl herausfand, daß große Firmen ihre Rechner nicht unbedingt großartig sichern. So kommt es, daß er sich von einem Großrechner einer Universität zum nächsten und von einem Mainframe in einer Behörde zur anderen hangelt. Er trifft dabei auch schnell Gleichgesinnte. Unter anderem fällt ihm auf einem Computertreffen der etwa gleichalte David (Fabian Busch) auf. Der aus "gutem Hause" stammende Jugendliche hat genauso wie Karl das Buch "Die Illuminaten" gelesen, nächtelang wird nun diskutiert und gehackt.

Auf der CeBit '86 lernt Karl - der sich mittlererweile nach dem Helden aus dem Illuminaten Buch "Hagbard Celine" nennt - Lupo (Jan-Gregor Kremp) kennen. Dieser bietet Karl und David nach einer kurzen Kennenlernphase an, mehr aus der Hackerei zu machen. Zusammen mit einem Freund Lupos, dem Hallodri Pepe (Dieter Landuris) schmieden die vier den Plan, gehackte Daten an den KGB zu verkaufen. Gesagt getan. Der unglaublich naiv eingefädelte Plan scheint zu funktionieren und der KGB zahlt kräftig.

Der Geheimdienst will aber leider auch immer mehr Informationen. Karl schlägt sich die Nächte um die Ohren und beginnt zum Aufputschen Kokain und andere Drogen zu nehmen ...

Hmm ...

Hans-Christian Schmidt und Michael Gutman greifen mit ihrem Film eine alte Geschichte auf, die nach dem Tod des Hackers "Tron" in Berlin wieder aktuell geworden ist. Der in der Anfangszeit der erschwinglichen Computerei angesiedelte deutsche Film beschreibt die Story fast dokumentarisch. So sind alle gezeigten Geräte, seien es nun Computer, Radios oder Autos peinlich genau auf das jeweilige Jahr abgestimmt (wenn auch ein Golf III 1986 sicher eine ziemliche Seltenheit gewesen sein mag ;-). Angenehm auf jeden Fall, daß die gezeigten Screenshots wirklich mal dem C=64, pardon SX 64, entstammten und nicht wie in so manchem Hollywood Schinken irgendwelche Phantasiegespinste sind.

Auch der Lebensweg Karl Kochs scheint von den Autoren sehr akribisch recherchiert worden zu sein. Der in der C'T abgedruckte Bericht deckt sich jedenfalls in weiten Teilen mit dem Film. Das Buch zum Film ist noch mehr im Stile einer Dokumentation gehalten und gibt Details preis, die aus dramaturgischen Gründen nicht im Film enthalten sind.

Die Jungdarsteller machen Ihre Sache sehr gut. Der langsam voranschreitende Wahnsinn Karls wird von August Diehl absolut glaubwürdig gemacht. Fabian Busch muß jedoch erst im Laufe des Films warmlaufen, steht seinem Filmpartner nach einer halben Stunde aber in nichts mehr nach. Die beiden bekannteren Gesichter des Films, Kremp und Landuris, agieren routiniert und nicht übertrieben.

Das Thema (welches sicher nicht jedermanns Interesse weckt) wird in diesem Film endlich mal nicht so weichzeichnerisch und unglaubwürdig dargeboten wie dies bei den oben bereits erwähnten Großproduktionen á la "Das Netz" der Fall ist. Leider wird das dazu beitragen, daß "23" kein so großes Publikum haben wird. Es ist für den durchschnittlichen Kinobesucher alles eine Spur zu echt - für mich ein Grund den Film wirklich gut zu finden. Für andere - und solche Stimmen hörte man im Saal - allerdings der Beginn aufkommender Langeweile.

Dichte, spannende Unterhaltung aus deutschen Landen mit soliden Darstellern und ziemlich viel Liebe zum Detail auf die Leinwand gebracht.

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