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Wächter der Nacht - Nochnoi Dozor

Kritik von Jürgen Dick

„Wächter der Nacht“ ist zum einen grellbuntes Endzeit-Fantasy-Kino. Zum Anderen ist der Film natürlich aufgrund seiner Herkunft interessant. Es sei mit angeblich 4 Millionen US-Dollar der bislang teuerste in Russland gedrehte Streifen. Eine Summe, für die man möglicherweise noch nicht einmal einen angelsächsischen Top-Star zum Mitspielen bewegen könnte.

Geboten wird eine (im Fantasy-Genre allerdings eher übliche denn besonders überraschende) Geschichte, in der es um den Kampf der Kräfte des Lichts gegen die Kräfte der Dunkelheit geht. Zu Anfang wird dies sogleich für jeden sichtbar inszeniert: Ritter in silbernen Rüstungen schlagen auf Ritter in dunklen Dressings ein. Blut, Unerbittlichkeit, Schwarz-Weiss, all das. Die Richtung ist beschrieben: Gut gegen Böse. In dieser Auseinandersetzung besteht allerdings eine merkwürdige, fragile Machtbalance. Und wer sich angesichts der daraus folgenden Verwicklungen, die zumeist in einem düsteren Moskau der engen Räume und verfallenen Fabrikhallen spielen, an die aktuelle soziale Situation in Russland erinnert fühlt, liegt wahrscheinlich gar nicht so sehr daneben.

Die Geschichte rauscht jedenfalls rasant los, und der Unterschied zum in den Hollywood-Fantasy-Epen üblichen Stil macht sich an den Brüchen in der Geschichte und im Handeln der Charaktere bemerkbar.

Der Held Anton (Konstantin Khabensky) ist ein Anti-Held, ein Mann mit Schwächen und Selbstzweifeln, ganz und gar kein Bruce-Willis-Typ. Er wird seiner übermenschlichen Kräfte gewahr, als er eine Hexe besucht. Die soll ihm die abtrünnige Geliebte wieder in seine starken Arme zurückzaubern und bietet ihm obendrein an, das Kind im schwangeren Bauch der Geliebten per Fernverzauberung auszutreiben. Letzteres überlegt sich Anton dann doch noch anders, kann aber nicht mehr rechtzeitig eingreifen. Das übernimmt eine Patrouille der „Anderen“ für ihn.

Die „Anderen“ sind Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten, die seit Jahrhunderten darüber wachen, dass die Typen, die sich mit der Finsternis verschworen haben (zum Beispiel Hexen, Vampire usw.), nicht allzu übergriffig werden gegenüber den Menschen. Weil sich nun herausstellt, dass Anton in der Lage ist, Einblick in die „Zwischenwelt“ nehmen zu können, der Welt, in der sich die „Finsteren“ bewegen, wird er selbst ein „Anderer“. Anton muss sich fortan in einer bizarren Geschichte um Vampirjagd und drohende „Wirbel“ bewähren.

Sind die visuellen Effekte nicht viel anders als in Filmen wie „Matrix“ inszeniert, so stechen in „Wächter der Nacht“ umso mehr die schroffen Charakterskizzen als deutlichster Unterschied zum US-Fantasy-Kino hevor. Nichts und niemand ist hier „clean“, Entscheidungen der Akteure sind zwiespältig. Wer in guter Absicht handelt, kann gleichzeitig auch schon wieder schuldig werden. Der Pakt mit den Leuten der Finsternis, über dessen Einhaltung die „Wächter der Nacht“ zu achten haben, gesteht, immerhin, den Bösen das Recht zu einem Bösesein nach Regeln zu.

Die Geschichte mutet dem Zuschauer die Identifikation mit Charakteren zu, die schwächeln, wo Stärke gefragt wäre, und die dort zu versagen drohen, wo moralische Standfestigkeit für Orientierung im filmischen Geschehen sorgen könnte. In diesem Film kann man sich scheinbar auf niemanden verlassen. Mag sein, dass die damit vermittelte Stimmung der tiefere Grund für den Erfolg in den russischen Kinos war: der Film als Zerrspiegel einer Gesellschaft im schwierigen Aufbruch. Auch wenn Ihnen das jetzt zu pathetisch klingt. Das Werk ist jedenfalls sehenswert.

EMPFEHLUNG: Für Liebhaber des Endzeit-Genres unbedingt drei Kreuze - jeweils eins für diesen Film, und die weiteren für die Teile zwei und drei. Die sind nämlich danach Pflicht, da müssen Sie dann durch. Also überlegen Sie sich den Besuch gut!

Diese Kritik ist die Meinung von Jürgen Dick.
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