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Kino - dafür werden Filme gemacht

The Day After Tomorrow

Kritik von Barbara Cerveny

Eines der ältesten Sprichwörter lautet "Der Weg ist das Ziel". Wenn man sich den Aufbau eines Spielfilms anschaut, könnte man also einem Film ein schlechtes Ende verzeihen, falls der Inhalt gut wäre. Doch bei "The Day After Tomorrow" helfen noch nicht mal Sprichwörter, um den jämmerlichen Inhalt und das geradlinige Ende zu entschuldigen. Es gibt einfach Filme, bei denen man das Gefühl hat, hellseherische Kräfte zu besitzen, da man jede Minute vorhersagen kann.

Der Paläoklimatologe Dr. Jack Hall (Dennis Quaid) hat eine Theorie aufgestellt, die besagt, dass eine Eiszeit auf die Menschheit in ca. 50- 150 Jahren zukommt. Auf der Klimakonferenz in Delphi verdeutlicht er führenden Wirtschaftsnationen und Exportländern, dass der Verbrauch von fossilen Brennstoffen eingeschränkt werden muss, um die globale Erderwärmung zu vermindern. Der amerikanische Vizepräsident (Kenneth Welsh) zeigt Dr. Hall deutlich, wo seine Prioritäten liegen und dass die wirtschaftlichen Verluste nicht tragbar wären. Der einzige in der Runde, der sich Dr. Halls Theorie annimmt, ist Prof. Rapson (Ian Holm), der sich selbst mit der Entwicklung des Temperaturgefälles und Salzgehaltes innerhalb des Golf-Stroms beschäftigt. Doch wie erwartet, hat sich Dr. Hall ein bisschen in der Zeit verschätzt und die Katastrophe fängt nicht erst in 150 Jahren, sondern schon am nächsten Tag nach der Konferenz an.

Tennisballgroße Hagelbrocken erschlagen Menschen in Japan, Fluten und Stürme einer noch nie da gewesenen Größenordnung wüten auf allen Erdteilen und Tornados verwüsten Los Angeles. Dr. Hall, die Heldenfigur, versucht den Präsidenten für seine Evakuierungspläne der Südstaaten zu überzeugen nachdem die Nordstaaten schon verloren sind. Doch das Schicksal von Millionen ist für den Inhalt unbedeutend. Im Mittelpunkt des Geschehens steht Dr. Halls Sohn Sam (Jake Gyllenhaal), der in der New Yorker Bibliothek festsitzt und wartet bis sein Dad ihn rettet. Zum Schluss die große Überraschung: Es gibt ein Happy End! Zwar sind Millionen von Menschen ertrunken und erfroren, aber Dr. Hall und seine Familie sind wenigstens wieder vereint.

Traurig, dass der deutsche Regisseur Roland Emmerich sich komplett "verhollywooden" ließ und wie tausend andere vor ihm das Bild der beschützenden amerikanischen Regierung, die Weltangelegenheiten zu amerikanischen "stuff" macht, übernommen hat. Dass die restliche Welt bei Katastrophen ausgeschlossen wird, sind wir ja schon von "Armageddon" und "Independence Day" gewohnt. Nichtssagende Filminhalte sind für amerikanische Produktionen auch nichts überraschendes, und dass bei einer Menschheitskatastrophe das Schicksal eines Einzelnen im Vordergrund steht, hat uns auch schon "Titanic" gezeigt. Vielleicht liegt die Schuld einfach bei mir, dass ich die Hoffnung nicht aufgegeben und mehr erwartet habe.

Doch eines muss man dem Film lassen - seine Special Effects. Der Grund, weshalb mein Kopf nicht in meine Popcorn-Tüte gefallen ist und lautes Schnarchen den Saal erfüllte, liegt an der meisterhaften, computeranimierten Darstellung. Wenn man Ton und Inhalt weglassen würde und die paar billigen Dialoge herausschneidet, hätte man einen sagenhaften Dokumentarfilm mit beeindruckend echt wirkenden Naturbildern.

Ob nun Emmerichs gewünschtes Ziel, gegen Bushs Umweltpolitik Kritik auszuüben, erreicht wird, indem man versucht, in einem Katastrophenfilm realistische, prognosenartige Verhältnisse darzustellen, sei dahingestellt. Auch über den pädagogischen Wert lässt sich streiten. Aber zumindest hat unser Bundesumweltminister Trittin eine Idee für seinen Wahlkampf gefunden. Wer über den schlichten Inhalt hinwegsehen kann, Lust auf eine gute Bebilderung hat und schauen möchte, auf welchem Stand die computeranimierte Technik ist, und ein paar Euro zu viel in der Tasche hat, kann sich "The Day After Tomorrow" ruhig antun.


Diese Kritik ist die Meinung von Barbara Cerveny.

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