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Kino - dafür werden Filme gemacht

Requiem for a dream

Kritik von Claus Schlamadinger

Wer diesen Film durchlitten hat und danach zu Drogen greift, dem ist bei bestem Willen nicht mehr zu helfen.

Worum geht's?

Ein Anruf von der Sendeanstalt ihrer Lieblingstalkshow ist Anlass für Sara Goldfarb endlich abzunehmen. Es wird ihr in Aussicht gestellt im Fernsehen auftreten zu dürfen und dafür muss einfach das rote Kleid wieder passen. Doch bald obsiegt der Hunger und darum lässt sie sich von einem obskuren Arzt Diätpillen verschreiben. Das wirkt wunderbar, doch als die erste Ration aufgebraucht ist, verlangt der Körper nach mehr und schon bald darauf ist Sara süchtig.

Ihrem Sohn Harry geht es da nicht viel besser: Täglich auf der Suche nach dem rettenden Schuss kommen Freund Tyrone und er auf die Idee, doch selbst ins Drogengeschäft einzusteigen. Leider starten sie ihr Geschäft gerade zu jenem Zeitpunkt, als in der Stadt ein Drogenkrieg herrscht und das weiße Wundermittel Mangelware ist. Auch das Geld wird knapp und deshalb überredet Harry seine Freundin Marion sich zu prostituieren. Vier abgewrackte Seelen warten daraufhin nur mehr auf den sicheren Untergang....

Ich meine:

Überraschend oft widmet sich das Kinojahr 2001 der Drogenproblematik und brachte mit "Traffic" und "Blow" schon zwei bemerkenswerte Filme hervor, welche aber nur ansatzweise aufzeigen konnten, wie sehr Drogen das Leben eines Menschen zerstören können. Widmete sich "Traffic" der Bekämpfung des Drogenmarktes und beleuchtete man in "Blow" den berühmten Dealer George Jung, so wurde mit "Requiem for a dream" ein Werk geschaffen, welches jedem tief unter die Haut gehen muss. Was "Leaving Las Vegas" für Alkoholiker, ist dieser Film für Junkies. Mit bereits schmerzendem Realismus bekommt man vier verlorene Seelen präsentiert, für die es kein Happy-End geben kann.

Dabei würde man die erste halbe Stunde des Film gar nicht annehmen, dass dieser in eine Art Terror für die Seele ausarten würde. Einige Male kann man durch ironische Bemerkungen oder sogar über einen Drogentrip lächeln und vorerst einmal die technische Seite des Films bewundern. Teilweise rasante Schnittfolgen (ähnlich dem Transatlantiküberflug aus "Snatch") wechseln sich mit "Fast Forward"-Szenen und geteiltem Bildschirm ab nur um Sekunden später langsam und nachdenklich zu stimmen. Regisseur Darren Aronofsky (seine zweite Regiearbeit nach dem äußerst umstrittenen "Pi") versteht sein Handwerk und es würde wohl nicht verwundern, wenn wir hier die Anfänge eines Mannes bewundern können, der in ein paar Jahren ehrfürchtig im selben Atemzug mit Stanley Kubrick, Oliver Stone und Martin Scorsese genannt wird.

Spätestens nach Sara Goldfarbs erstem wilden Drogentrip ist es vorbei mit der guten Laune. Vom Hunger geplagt wirft sie sich eine Tablette nach der anderen in den Rachen und fühlt sich von ihrem Kühlschrank verfolgt, während sie sich sieht, wie sie im Fernsehen als Kandidatin den Hauptpreis gewinnt.

Ellen Burstyn - sie wurde für diese Rolle mit einer Oscarnominierung belohnt - bringt dieses Schmerz derart realitätsnah auf die Leinwand, dass man fast nicht mehr den Mut hat den Blick auf das Geschehen gerichtet zu halten. Aber auch die Jared Leto, Marlon Wayans und Jennifer Connally fügen tiefen Schmerz zu. Harry, Tyrone und Marion rennen Schritt für Schritt in ihr Verderben ohne es auch nur zu merken. Ständig sprechen sie von den besseren Zeiten die kommen werden ohne jedoch zu realisieren, dass jeder weitere Schuss ein weiterer Schritt in den Tod ist. Vor allem Marions stiller Hilfeschrei, nachdem sie sich selbst verkauft hat, geht verdammt tief ins Herz.

Wenn man dann ziemlich am Ende bereits empfindet, dass man bereits genug Elend zu Gesicht bekommen hat, setzt Aronosfky noch einmal nach und bescherte mir wohl die fünfzehn schrecklichsten Filmminuten des Jahres.

Sara, Marion, Harry und Tyrone sind verloren - seelenlos ergeben sich die vier ihrem Schicksal und sind auf Hilfe anderer angewiesen um zumindest am Leben zu bleiben. Die vier beenden den Film in der Fötusstellung die Bankrotterklärung ihres Lebens....

Der Film ist mit Sicherheit nichts für schwache Gemüter, denn er setzt verdammt zu. Der Realismusgrad ist beängstigend hoch und nicht einmal ansatzweise darf man mit einem Happy-End rechnen. Drogen töten dich - so wie im richtigen Leben, kommt diese Message hier faktisch und ohne zu beschönigen rüber. Als Therapie für Drogenabhängige könnte der Film Wunder wirken, für alle anderen abschreckend. Solche Filme braucht die Menschheit, auch wenn sie verdammt weh tun.

Fazit: "Requiem for a dream" schockiert unverblümt, könnte dadurch allerdings auch eine heilende Wirkung erzielen.

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Diese Kritik ist die Meinung von Claus Schlamadinger.

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