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Kino - dafür werden Filme gemacht

Memento

Kritik von Vincent Calmieri

Memento ist ein fantastischer Film. Die Handlung ist eigentlich simpel. Leonard (Guy Pearce) will den Tod seiner Frau rächen. Leonard trifft während seinem Rachefeldzug einige Personen, darunter Natalie (Carrie-Anne Moss) oder Teddy (Joe Pantoliano). Man ist sich nie sicher wer sie eigentlich sind und welche Absichten diese haben.

Interessant wird der Film erst durch seine Erzählstruktur und durch das Dilemma des Protagonisten.

Zuerst zur Erzählstruktur: Memento wird nicht wie üblich chronologisch erzählt, sondern rückwärts. Der Film beginnt am Schluss und endet am Anfang. Dies bedeutet aber nicht, dass der Film rückwärts abspielt wird. Memento ist in zahlreiche Fragmente von 5-10min geteilt. Und diese werden in verkehrter Reihenfolge gezeigt. Zwischendurch gibt es noch in schwarz-weiss gehaltene Szenen, die chronologisch verlaufen. Dies ist anfangs natürlich etwas ungewohnt und verwirrend. Doch der Regisseur (Christopher Nolan) hat diese Erzählstruktur bewusst eingesetzt, damit sich der Zuschauer in Leonard hineinfühlen kann. Denn dieser leidet seit dem Zwischenfall der Ermordung seiner Frau an einer speziellen Form von Gedächtnisverlust. Er ist in der Lage sich an alle Ereignisse vor dem Unfall zu erinnern, jegliche Ereignisse danach verblassen jedoch zunehmends. Leonard hat sein Kurzzeitgedächtnis verloren. Er ist unfähig frische Erinnerungen zu speichern. Er kann nur die Dinge speichern, auf die er sich unmittelbar konzentriert. Nur kurze Zeit später hat er diese jedoch wieder vergessen. "Everything just fades" wie er immer wieder erklärte.

Aufgrund dieses Zustandes ist Leonard natürlich nicht in der Lage ein normales Leben zu führen. Er muss sich alles dokumentieren. Er macht Notizen. Die wirklich wichtigen Dinge tätowiert er sogar auf seinen Körper. Alle Leute, die in seinem Leben von Bedeutung sind fotografiert er. Nur so ist er in der Lage sich zurechtzufinden.

Die ungewöhnliche Erzählstruktur lässt den Zuschauer im Ungewissen. Genau wie der Hauptdarsteller fragen wir uns immer wieder, wo sich Leonard gerade befindet, wieso jemand sich ihm gegenüber so verhält oder wie Leonard überhaupt in diese jeweilige Situation hineingeraten ist.

Der Film zeigt auch, wie ungenau Erinnerungen sind. "Memory can change the color of a car, memory can change the words you said. It's all interpretation, which is nothing compared to the facts" Inwiefern sind unsere Erinnerungen Fakten und inwiefern sind es Interpretationen?

Memento ist ein faszinierender Film. Der Film ist einer der wenigen Filme der letzten Jahre, der innovativ und intelligent ist. Es ist ein Film, den man nur schwer vergleichen kann mit anderen. Es gibt fast keine Action, kein Sex und nur ganz wenig Blut. Trotz des geringen Budgets von nur 5 Millionen übertrifft Memento aber alle grossen Hollywoodfilme dieses Jahres. Ein exzellentes Script, verfilmt durch einen intelligenten Regisseur und dargestellt von talentierten Schauspielern.

Jedoch ist er nicht jedem zu empfehlen. Für einen gemütlichen Filmabend, bei dem man sich zurücklehnen und sich unterhalten lassen möchte, ist Memento nicht zu empfehlen. Memento ist ein sehr anspruchsvoller Film. Es ist ein Puzzle, das einem herausfordert es zu lösen. Ich denke, es ist auch zu empfehlen den Film zweimal anzuschauen. Denn ähnlich wie in „the sixth sense“ kann man erst beim zweiten Mal den Film in einen Kontext bringen. Zu viele Fragen bleiben beim ersten Mal unbefriedigend oder gar nicht beantwortet.

Jeder, der sich für innovative und anspruchsvolle Filme interessiert, darf diesen jedoch keinesfalls verpassen.

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Diese Kritik ist die Meinung von Vincent Calmieri.

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