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Ein Gedicht, das reicht, den Fans leichte Schauer über den Rücken zu treiben. Es wird im Film zitiert - Gandalf sagt es auf, als er Frodo, dem Hobbit, erklärt, was es mit "Onkel Bilbos Ring" auf sich hat. Und Frodo, der im blühenden, idyllischen Auenland lebt, wird selbst am Ende des ersten Teils den ganzen Schrecken, der von dem Ring ausgeht, nicht begreifen können. Könnte er es, wäre er wohl nie auf seine Fahrt gegangen. Seine Aufgabe ist es, den Ring quasi vor der Haustür des dunklen Herrschers zu vernichten. Unterstützt wird er von einer Gruppe aus Hobbits, Menschen, Elben und Zwergen...
Nun, hier soll es um einen Film gehen, nicht um ein Buch. Ich habe keine Vorstellung, wie jemand reagiert, der dieses Buch nie gelesen hat. So ein Zuschauer wird vielleicht Kitsch und Klischees sehen, er wird sich vielleicht auch einfach an den tollen Bildern berauschen. Tatsache ist: Er wird die tieferen Zusammenhänge nicht einmal ansatzweise begreifen. Hier ähnelt die Verfilmung stark dem "Namen der Rose".
Warum ist "Der Herr der Ringe" ein nahezu perfekter Film? Beginnen wir bei der Regie und der Kamera. Handwerklich vom feinsten trifft Peter Jackson stilsicher genau das Bild, wie er es treffen muss. Seine Erfahrung als Independent- und Horrorfilmer war sicher hilfreich, den Schrecken des Ringes, die Ringgeister und die Ork-Horden ins Bild zu setzen. Tatsächlich ist der Film über weite Strecken wesentlich gruseliger als fast alles, was es in den letzten Jahren zu sehen gab. Nicht nur gruseliger, auch grausamer. Teilweise wird in Braveheart-Manier gemetzelt, was die Klinge hergibt. Und all das wird durchaus in Tolkiens Sinne gewesen sein, denn auch die Buchvorlage spart nicht mit drastischen Szenen. Eines kann man Jackson nicht vorwerfen: Dass er irgendwas verbogen hätte. Wenn er Lacher einbaut oder verschiedene Identifikationsfiguren im Plott hat, dann nicht, um sich am Schema F entlangzuhangeln, sondern weil es die Vorlage so will.
Muss ich noch erwähnen, dass die Spezialeffekte einfach nur genial sind? Das die Orks in ihrem Aussehen die schlimmsten Erwartungen noch übertreffen? Dass Gollum phantastisch ins Bild gesetzt ist? Dass hier Szenerien, Bauwerke und Landschaften auf die Leinwand gezaubert werden, gegen die das einst viel bestaunte antike Rom in "Gladiator" oder die Titanic wirkt, wie eine Pixelgrafik aus einem C64?
USA/Neuseeland 2001, 165 min |
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Diese Kritik ist die Meinung von Enno Park.
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